Backup und Datensicherung für Ihre Website

Ein Backup ist die Lebensversicherung für Ihre Website. Ob Hackerangriff, technischer Defekt oder eigener Fehler: Ohne aktuelle Sicherung können Jahre an Arbeit in Sekunden verloren gehen. In diesem ausführlichen Ratgeber erfahren Sie alles über Backup Strategien, die verschiedenen Sicherungsmethoden und praktische Tipps für die Umsetzung im Webhosting Alltag.

Warum Backups unverzichtbar sind

Die Bedeutung regelmäßiger Backups wird oft unterschätzt, bis der Ernstfall eintritt. Dann ist es meist zu spät. Daten können aus vielen Gründen verloren gehen, und nicht alle davon liegen in Ihrer Kontrolle.

Typische Ursachen für Datenverlust

Die Liste der möglichen Szenarien ist lang und sollte jeden Website Betreiber nachdenklich stimmen:

  • Hackerangriffe: Angreifer können Dateien löschen, verschlüsseln oder manipulieren
  • Malware: Schadsoftware kann Ihre Website unbrauchbar machen
  • Eigene Fehler: Eine falsche Löschaktion oder ein missglücktes Update
  • Plugin Konflikte: Inkompatible Erweiterungen können die Website zerstören
  • Serverausfälle: Hardware Defekte beim Webhoster
  • Naturkatastrophen: Feuer, Überschwemmung oder Blitzeinschlag im Rechenzentrum
  • Menschliches Versagen: Fehler beim Hoster oder durch Mitarbeiter

Die Frage ist nicht, ob ein Problem auftreten wird, sondern wann. Mit einem aktuellen Backup verwandeln Sie eine potenzielle Katastrophe in ein lösbares Problem. Ohne Backup stehen Sie vor einem Scherbenhaufen.

Was sollte gesichert werden?

Eine vollständige Sicherung Ihrer Website umfasst mehrere Bereiche, die alle berücksichtigt werden müssen:

  • Website Dateien: Alle Dateien auf Ihrem Webspace, einschließlich HTML, CSS, JavaScript, Bilder und Uploads
  • Datenbank: Die Datenbank mit allen Inhalten, Einstellungen und Benutzerkonten
  • Konfigurationsdateien: Besondere Einstellungen wie htaccess oder Serverkonfigurationen
  • E-Mail Daten: Falls Sie E-Mail Hosting nutzen und die Mails sichern möchten

Backup Strategien im Überblick

Es gibt verschiedene Ansätze zur Datensicherung, die sich in Aufwand, Speicherbedarf und Wiederherstellungszeit unterscheiden. Die richtige Strategie hängt von Ihren Anforderungen ab.

Vollständige Sicherung

Bei einer Vollsicherung werden alle Daten komplett gesichert. Das ist die einfachste Methode und ermöglicht die schnellste Wiederherstellung. Der Nachteil ist der hohe Speicherbedarf, besonders wenn Sie die Sicherung regelmäßig durchführen.

Für kleine bis mittlere Websites ist eine regelmäßige Vollsicherung meist die beste Wahl. Der Speicherbedarf bleibt überschaubar, und Sie müssen sich nicht mit komplexeren Konzepten beschäftigen.

Inkrementelle Sicherung

Bei der inkrementellen Sicherung wird zunächst eine Vollsicherung erstellt. Danach werden nur noch die Änderungen seit der letzten Sicherung gespeichert. Das spart Speicherplatz und beschleunigt den Backup Vorgang.

Der Nachteil: Für die Wiederherstellung benötigen Sie die Vollsicherung plus alle nachfolgenden inkrementellen Sicherungen. Geht eine davon verloren, ist die Wiederherstellung erschwert oder unmöglich.

Differentielle Sicherung

Die differentielle Sicherung speichert alle Änderungen seit der letzten Vollsicherung. Im Vergleich zur inkrementellen Methode wächst der Speicherbedarf mit der Zeit stärker an, aber für die Wiederherstellung benötigen Sie nur die Vollsicherung und die letzte differentielle Sicherung.

Vergleich der Backup Methoden

Methode Speicherbedarf Backup Geschwindigkeit Wiederherstellung Komplexität
Vollsicherung Hoch Langsam Einfach, schnell Gering
Inkrementell Gering Schnell Komplex, langsamer Mittel
Differentiell Mittel Mittel Relativ einfach Mittel

Wie oft sollten Backups erstellt werden?

Die optimale Backup Frequenz hängt davon ab, wie häufig sich Ihre Website ändert und wie viel Datenverlust Sie verkraften können.

Tägliche Backups

Für Websites mit regelmäßigen Änderungen, Online Shops oder Seiten mit Benutzerinteraktion sind tägliche Backups empfehlenswert. Im schlimmsten Fall verlieren Sie die Arbeit eines Tages, was meist verkraftbar ist.

Wöchentliche Backups

Für statische Websites oder Seiten mit seltenen Änderungen kann eine wöchentliche Sicherung ausreichen. Bedenken Sie jedoch, dass eine Woche verlorener Arbeit schmerzhaft sein kann.

Vor wichtigen Änderungen

Unabhängig von der regulären Frequenz sollten Sie vor jedem größeren Eingriff ein zusätzliches Backup erstellen. Dazu gehören Updates des Content Management Systems, Plugin Installationen oder Designänderungen. Falls etwas schiefgeht, können Sie sofort zum vorherigen Stand zurückkehren.

Aufbewahrungsfristen

Nicht nur die Häufigkeit der Backups ist wichtig, sondern auch wie lange Sie diese aufbewahren. Eine bewährte Strategie ist die Generationensicherung:

  • Tägliche Backups: Die letzten 7 Tage aufbewahren
  • Wöchentliche Backups: Die letzten 4 Wochen aufbewahren
  • Monatliche Backups: Die letzten 12 Monate aufbewahren

So können Sie auch auf ältere Stände zurückgreifen, falls ein Problem erst später bemerkt wird. Manchmal entdeckt man eine Schadsoftware erst Wochen nach der Infektion.

Backup Methoden im Webhosting

Je nach technischen Möglichkeiten und Hosting Paket stehen verschiedene Wege zur Sicherung Ihrer Daten zur Verfügung.

Automatische Backups durch den Hoster

Viele Webhoster erstellen automatisch Backups ihrer Kundendaten. Das ist praktisch, sollte aber nicht Ihre einzige Sicherung sein. Die Modalitäten unterscheiden sich stark:

  • Manche Hoster sichern täglich, andere wöchentlich oder gar nicht
  • Die Aufbewahrungsdauer variiert von wenigen Tagen bis zu mehreren Wochen
  • Die Wiederherstellung ist nicht immer kostenlos oder selbst durchführbar
  • Bei Insolvenz des Hosters sind auch die Backups weg

Informieren Sie sich über die Backup Leistungen Ihres Hosters und verlassen Sie sich nicht allein darauf. Eigene Sicherungen unter Ihrer Kontrolle sind unverzichtbar.

Manuelle Sicherung per FTP

Die einfachste Methode für eigene Backups ist der Download aller Dateien per FTP. Verbinden Sie sich mit Ihrem Server und laden Sie den kompletten Inhalt des Webspace auf Ihren lokalen Computer. Speichern Sie das Backup mit Datumsstempel an einem sicheren Ort.

Vergessen Sie nicht die Datenbank, die Sie separat über phpMyAdmin oder ein ähnliches Werkzeug exportieren müssen. Ohne die Datenbank ist das Backup einer dynamischen Website unvollständig.

Backup über das Hosting Panel

Viele Hosting Verwaltungsoberflächen wie cPanel oder Plesk bieten integrierte Backup Funktionen. Sie können mit wenigen Klicks eine Sicherung erstellen und herunterladen. Diese Methode erfasst meist alle relevanten Daten inklusive Datenbanken und E-Mail Konten.

Backup Plugins für CMS

Für Content Management Systeme gibt es zahlreiche Plugins, die das Backup automatisieren. Diese Erweiterungen können regelmäßig Sicherungen erstellen und diese sogar automatisch in Cloud Speicher hochladen. Das ist besonders komfortabel und zuverlässig.

Achten Sie bei der Auswahl des Plugins auf gute Bewertungen, regelmäßige Updates und die Unterstützung für externe Speicherziele. Ein Backup, das nur auf demselben Server liegt, ist bei einem Serverausfall wertlos.

Der richtige Speicherort für Backups

Wo Sie Ihre Backups speichern, ist genauso wichtig wie ihre Erstellung. Ein Backup auf demselben Server wie die Website bietet kaum Schutz vor den meisten Risiken.

Lokaler Computer

Die Speicherung auf Ihrem eigenen Computer ist ein guter erster Schritt. Sie haben direkten Zugriff und sind unabhängig vom Hoster. Allerdings sind Ihre Daten bei einem Festplattendefekt oder Diebstahl des Computers ebenfalls gefährdet.

Externe Festplatten

Eine externe Festplatte bietet zusätzlichen Schutz, besonders wenn Sie diese an einem anderen Ort aufbewahren. Lagern Sie das Backup beispielsweise bei Verwandten oder im Büro, um auch bei einem Einbruch oder Wohnungsbrand geschützt zu sein.

Cloud Speicher

Cloud Dienste sind ideal für automatisierte Backups. Ihre Daten werden in professionellen Rechenzentren gespeichert, oft mit mehrfacher Redundanz. Sie können von überall auf die Sicherungen zugreifen und sind gegen lokale Katastrophen geschützt.

Beachten Sie bei Cloud Speichern den Datenschutz. Sensible Daten sollten vor dem Upload verschlüsselt werden. Prüfen Sie auch, wo die Server des Anbieters stehen und welche Datenschutzbestimmungen gelten.

Die Regel der drei Kopien

Experten empfehlen die 3-2-1 Regel für wichtige Daten:

  • 3 Kopien: Das Original und mindestens zwei Backups
  • 2 verschiedene Medien: Zum Beispiel Festplatte und Cloud
  • 1 externes Backup: Mindestens eine Kopie an einem anderen Ort

Für geschäftskritische Websites ist diese Strategie keine Übertreibung, sondern vernünftige Vorsorge.

Website wiederherstellen: So geht's

Ein Backup ist nur so gut wie die Möglichkeit, es wiederherzustellen. Testen Sie regelmäßig, ob Ihre Sicherungen funktionieren.

Dateien wiederherstellen

Die Wiederherstellung der Dateien erfolgt per FTP in umgekehrter Richtung. Laden Sie die gesicherten Dateien auf den Server hoch und überschreiben Sie die vorhandenen Daten. Bei einer leeren Installation müssen Sie möglicherweise erst die Verzeichnisstruktur anlegen.

Datenbank wiederherstellen

Die Datenbank stellen Sie über phpMyAdmin oder ein ähnliches Werkzeug wieder her. Importieren Sie die gesicherte SQL Datei in eine leere Datenbank. Achten Sie darauf, dass die Zugangsdaten in der Konfigurationsdatei Ihrer Website mit der neuen Datenbank übereinstimmen.

Konfiguration anpassen

Nach der Wiederherstellung müssen Sie möglicherweise Einstellungen anpassen. Das gilt besonders, wenn sich die Domain, die Datenbankzugangsdaten oder Serverpfade geändert haben. Prüfen Sie die Konfigurationsdateien Ihrer Anwendung sorgfältig.

Funktionstests durchführen

Nach der Wiederherstellung sollten Sie alle wichtigen Funktionen der Website testen. Prüfen Sie die Startseite, verschiedene Unterseiten, Formulare und den Adminbereich. Erst wenn alles funktioniert, ist die Wiederherstellung abgeschlossen.

Automatisierung von Backups

Manuelle Backups sind besser als keine, aber sie werden oft vergessen. Automatisierte Sicherungen laufen zuverlässig im Hintergrund und bieten besseren Schutz.

Cronjobs einrichten

Mit Cronjobs können Sie Backup Skripte zu festgelegten Zeiten automatisch ausführen lassen. Das erfordert etwas technisches Wissen, bietet aber maximale Flexibilität. Ihr Hoster muss die Nutzung von Cronjobs erlauben, was bei den meisten Paketen der Fall ist.

Backup Plugins nutzen

Die einfachste Methode zur Automatisierung sind Backup Plugins für Ihr CMS. Diese bieten zeitgesteuerte Sicherungen, automatischen Upload in die Cloud und E-Mail Benachrichtigungen bei Erfolg oder Fehlern. Die Einrichtung ist auch ohne Programmierkenntnisse möglich.

Überwachung nicht vergessen

Auch automatisierte Backups müssen überwacht werden. Prüfen Sie regelmäßig, ob die Sicherungen tatsächlich erstellt werden und ob die Dateigröße plausibel ist. Ein Backup, das seit Wochen fehlschlägt, hilft im Ernstfall nicht.

Häufige Fehler vermeiden

Bei der Datensicherung werden immer wieder dieselben Fehler gemacht. Kennen Sie diese Stolperfallen, können Sie sie vermeiden.

Backup nur auf demselben Server

Ein Backup, das auf demselben Server wie die Website liegt, ist bei einem Serverausfall oder Hackerangriff mit betroffen. Speichern Sie Sicherungen immer an einem separaten Ort, idealerweise außerhalb des Rechenzentrums.

Datenbank vergessen

Die Sicherung nur der Dateien ohne Datenbank ist ein häufiger Fehler. Bei dynamischen Websites sind die Inhalte in der Datenbank gespeichert. Ohne diese haben Sie nur eine leere Hülle.

Backups nie testen

Viele erstellen fleißig Backups, testen aber nie, ob die Wiederherstellung funktioniert. Im Ernstfall stellt sich dann heraus, dass die Sicherung unvollständig oder beschädigt ist. Führen Sie regelmäßig Testwiederherstellungen durch, etwa in einer Testumgebung.

Keine Verschlüsselung

Backups enthalten sensible Daten wie Passwörter und Kundeninformationen. Wenn Sie Sicherungen extern speichern, sollten diese verschlüsselt sein. So sind Ihre Daten auch bei einem Zugriff durch Unbefugte geschützt.

Zu wenig Generationen

Nur das aktuellste Backup aufzubewahren ist riskant. Manche Probleme werden erst nach Tagen oder Wochen bemerkt. Mit mehreren Backup Generationen können Sie zu einem früheren, funktionierenden Stand zurückkehren.

Fazit: Vorsorge schlägt Nachsorge

Ein durchdachtes Backup Konzept ist keine lästige Pflicht, sondern eine Investition in Ihre Sicherheit. Der Aufwand für regelmäßige Sicherungen ist gering im Vergleich zum Schaden, den ein Datenverlust verursachen kann.

Fangen Sie heute an, wenn Sie es noch nicht getan haben. Richten Sie automatische Backups ein, speichern Sie diese an mehreren Orten und testen Sie regelmäßig die Wiederherstellung. So sind Sie für den Ernstfall gewappnet und können ruhig schlafen.

Weitere wichtige Themen für die Sicherheit Ihrer Website finden Sie in unseren anderen Ratgebern. Mit dem richtigen Wissen und etwas Vorsorge schützen Sie Ihre Online Präsenz effektiv vor den meisten Risiken. Erfahren Sie auch, wie Sie Cronjobs zur Automatisierung von Backups nutzen und wie Sie Änderungen in einer Staging Umgebung testen, bevor sie live gehen.