Datenbanken im Webhosting: Grundlagen, Typen und praktische Anwendung

Moderne Websites kommen ohne Datenbanken kaum noch aus. Ob Blog, Online Shop oder Unternehmenswebsite mit Content Management System: Im Hintergrund speichert eine Datenbank alle Inhalte, Benutzerinformationen und Einstellungen. In diesem ausführlichen Ratgeber erfahren Sie alles Wichtige über Datenbanken im Webhosting Kontext, von den Grundlagen bis hin zu fortgeschrittenen Themen wie Optimierung und Sicherheit.

Was ist eine Datenbank und wofür braucht man sie?

Eine Datenbank ist ein System zur strukturierten Speicherung und Verwaltung von Informationen. Im Gegensatz zu einfachen Textdateien ermöglicht eine Datenbank das schnelle Suchen, Sortieren und Filtern großer Datenmengen. Die Informationen werden in Tabellen organisiert, die miteinander in Beziehung stehen können.

Stellen Sie sich ein Adressbuch vor: Jeder Kontakt hat einen Namen, eine Adresse, eine Telefonnummer und vielleicht weitere Angaben. In einer Datenbank wäre jeder Kontakt ein Datensatz, und die verschiedenen Angaben wären Felder oder Spalten. Diese Struktur ermöglicht es, blitzschnell alle Kontakte in einer bestimmten Stadt zu finden oder nach dem Nachnamen zu sortieren.

Im Webhosting Bereich werden Datenbanken für vielfältige Zwecke eingesetzt. Content Management Systeme wie WordPress oder Joomla speichern sämtliche Texte, Einstellungen und Benutzerkonten in einer Datenbank. Online Shops verwalten dort ihr Produktsortiment, Bestellungen und Kundendaten. Foren archivieren Beiträge und Mitgliederprofile, während Buchungssysteme Termine und Reservierungen festhalten.

Die wichtigsten Datenbank Typen im Überblick

Im Webhosting Umfeld begegnen Ihnen hauptsächlich relationale Datenbanksysteme. Diese organisieren Daten in Tabellen mit Zeilen und Spalten. Mehrere Datenbanksysteme haben sich als Standard etabliert.

MySQL: Der Klassiker

MySQL ist seit Jahrzehnten das am weitesten verbreitete Datenbanksystem im Webbereich. Es wurde 1995 in Schweden entwickelt und hat sich dank seiner Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit zum De facto Standard entwickelt. Die meisten Webhoster bieten MySQL als Teil ihrer Pakete an, und praktisch alle gängigen Webanwendungen unterstützen es.

MySQL zeichnet sich durch seine einfache Bedienung und gute Dokumentation aus. Für Einsteiger ist der Einstieg vergleichsweise leicht, während fortgeschrittene Nutzer von umfangreichen Optimierungsmöglichkeiten profitieren. Die große Verbreitung bedeutet auch, dass Sie bei Problemen schnell Hilfe in Foren und Tutorials finden.

MariaDB: Der moderne Nachfolger

MariaDB entstand 2009 als Abspaltung von MySQL, nachdem dessen Entwickler Bedenken bezüglich der Übernahme durch ein großes Softwareunternehmen hatten. MariaDB ist vollständig kompatibel mit MySQL, bietet aber einige zusätzliche Funktionen und Verbesserungen bei der Leistung.

Viele Webhoster sind in den letzten Jahren auf MariaDB umgestiegen, ohne dass Kunden etwas davon merkten. Für Anwender macht der Wechsel kaum einen Unterschied, da alle Programme und Skripte, die mit MySQL funktionieren, auch mit MariaDB arbeiten. Im Zweifelsfall können Sie bei Ihrem Hoster nachfragen, welches System konkret im Einsatz ist.

PostgreSQL: Die leistungsstarke Alternative

PostgreSQL gilt als besonders leistungsfähig und standardkonform. Es bietet erweiterte Funktionen wie komplexe Datentypen, Volltextsuche und geografische Daten. Für anspruchsvolle Projekte, die diese Features benötigen, ist PostgreSQL oft die bessere Wahl.

Allerdings unterstützen nicht alle Webanwendungen PostgreSQL, und auch nicht jeder Webhoster bietet es an. Wenn Sie ein Standard CMS oder eine verbreitete Shop Software nutzen möchten, ist MySQL oder MariaDB meist die sicherere Wahl. PostgreSQL kommt eher bei individuell entwickelten Anwendungen zum Einsatz.

SQLite: Die schlanke Lösung

SQLite unterscheidet sich von den anderen Systemen grundlegend: Es benötigt keinen eigenen Serverdienst, sondern speichert die gesamte Datenbank in einer einzigen Datei. Das macht SQLite extrem einfach einzurichten und ideal für kleine Projekte oder Anwendungen, die eine Datenbank nur gelegentlich benötigen.

Für größere Websites mit vielen gleichzeitigen Zugriffen ist SQLite allerdings weniger geeignet. Die Stärken liegen bei Desktop Anwendungen, mobilen Apps und kleinen Webprojekten mit überschaubarem Traffic.

Vergleich der Datenbanksysteme

Eigenschaft MySQL MariaDB PostgreSQL SQLite
Verbreitung im Webhosting Sehr hoch Hoch Mittel Gering
CMS Unterstützung Ausgezeichnet Ausgezeichnet Eingeschränkt Selten
Performance Sehr gut Sehr gut Sehr gut Gut für kleine Daten
Einrichtung Einfach Einfach Mittel Sehr einfach
Erweiterte Funktionen Gut Sehr gut Ausgezeichnet Basis
Ideal für Websites, Shops Websites, Shops Komplexe Projekte Kleine Projekte

Datenbanken beim Webhoster einrichten

Die Einrichtung einer Datenbank bei Ihrem Webhoster ist in der Regel unkompliziert. Die meisten Anbieter stellen eine grafische Verwaltungsoberfläche bereit, über die Sie mit wenigen Klicks eine neue Datenbank anlegen können.

Datenbank anlegen

Im Kundenbereich Ihres Hosters finden Sie einen Bereich für die Datenbankverwaltung. Dort können Sie eine neue Datenbank erstellen. Dabei vergeben Sie einen Namen für die Datenbank und legen einen Benutzer mit Passwort an. Diese Zugangsdaten benötigen Sie später für die Konfiguration Ihrer Webanwendung.

Je nach Hosting Paket ist die Anzahl der verfügbaren Datenbanken begrenzt. Einfache Pakete beinhalten oft nur eine oder wenige Datenbanken, während professionelle Tarife unbegrenzte Datenbanken erlauben. Wenn Sie mehrere Websites oder Anwendungen betreiben möchten, achten Sie bei der Paketauswahl auf diesen Punkt.

Datenbankbenutzer und Rechte

Aus Sicherheitsgründen sollte jede Datenbank einen eigenen Benutzer haben. Dieser Benutzer erhält nur Zugriff auf die Datenbank, die er benötigt. Bei einem Sicherheitsvorfall ist so der Schaden begrenzt, da der Angreifer nicht auf andere Datenbanken zugreifen kann.

Die Rechteverwaltung ermöglicht es, genau festzulegen, was ein Benutzer mit der Datenbank tun darf. Für normale Webanwendungen werden üblicherweise die Rechte SELECT, INSERT, UPDATE und DELETE benötigt. Das Recht zur Strukturänderung sollte nur vergeben werden, wenn es die Anwendung erfordert.

phpMyAdmin: Die Verwaltungsoberfläche

phpMyAdmin ist das meistgenutzte Werkzeug zur Verwaltung von MySQL und MariaDB Datenbanken. Diese browserbasierte Anwendung ermöglicht es, Datenbanken zu erstellen, Tabellen anzulegen, Daten einzusehen und SQL Befehle auszuführen. Die meisten Webhoster stellen phpMyAdmin kostenlos zur Verfügung.

Über phpMyAdmin können Sie auch Datenbanken importieren und exportieren. Das ist wichtig für Backups und den Umzug von Websites. Die Oberfläche ist intuitiv gestaltet, auch wenn die Vielzahl der Optionen anfangs überwältigend wirken kann.

Datenbanken und Content Management Systeme

Wenn Sie ein Content Management System installieren, ist die Datenbank das Herzstück Ihrer Website. Alle Inhalte, Einstellungen und Benutzerdaten werden dort gespeichert. Das Verständnis dieser Zusammenhänge hilft bei der Fehlersuche und Optimierung.

Was speichert ein CMS in der Datenbank?

Die Datenbank eines CMS enthält typischerweise folgende Informationen:

  • Inhalte: Alle Texte, Beiträge und Seiten
  • Metadaten: Titel, Beschreibungen, Veröffentlichungsdaten
  • Benutzer: Konten, Passwörter, Rollen und Rechte
  • Einstellungen: Konfiguration des Systems und der Plugins
  • Kommentare: Benutzerbeiträge und Diskussionen
  • Medien Informationen: Verweise auf hochgeladene Dateien

Die eigentlichen Mediendateien wie Bilder und Videos werden übrigens nicht in der Datenbank gespeichert, sondern als Dateien auf dem Webspace. In der Datenbank befinden sich nur die Verweise und Metainformationen.

Datenbankpräfix verstehen

Bei der Installation eines CMS werden Sie nach einem Tabellenpräfix gefragt. Dieser Vorspann wird allen Tabellennamen vorangestellt. Ein WordPress mit dem Präfix wp_ erstellt beispielsweise Tabellen wie wp_posts, wp_users und wp_options.

Der Präfix ermöglicht es, mehrere Installationen in einer Datenbank zu betreiben, indem jede einen eigenen Präfix verwendet. Aus Sicherheitsgründen empfiehlt es sich außerdem, den Standard Präfix zu ändern, da Angreifer oft davon ausgehen, dass die Standardwerte verwendet werden.

Datenbank Performance optimieren

Mit der Zeit kann eine Datenbank langsamer werden, besonders wenn sie viele Daten enthält oder nicht optimal konfiguriert ist. Einige Maßnahmen helfen, die Leistung zu verbessern und Ihre Website schneller zu machen.

Datenbank aufräumen

Im Laufe der Zeit sammeln sich in der Datenbank überflüssige Daten an. Dazu gehören alte Revisionen von Beiträgen, gelöschte Kommentare im Papierkorb, verwaiste Metadaten und temporäre Einträge. Diese Altlasten belasten die Datenbank und verlangsamen Abfragen.

Viele CMS bieten Plugins an, die diese Bereinigung automatisieren. Alternativ können Sie in phpMyAdmin gezielt Tabellen optimieren. Die Funktion Optimize Table entfernt fragmentierten Speicherplatz und beschleunigt den Zugriff.

Indizes nutzen

Indizes sind wie ein Stichwortverzeichnis in einem Buch: Sie ermöglichen es der Datenbank, gesuchte Einträge schneller zu finden. Gut gesetzte Indizes können die Geschwindigkeit von Abfragen um ein Vielfaches steigern.

Die meisten Webanwendungen legen bei der Installation automatisch sinnvolle Indizes an. Bei individuellen Erweiterungen oder sehr großen Datenmengen kann es jedoch nötig sein, zusätzliche Indizes manuell zu erstellen. Dies erfordert allerdings technisches Wissen über die Datenbankstruktur.

Caching einsetzen

Datenbankabfragen sind ressourcenintensiv. Wenn dieselbe Abfrage immer wieder ausgeführt wird, lässt sich viel Zeit sparen, indem das Ergebnis zwischengespeichert wird. Dieses Prinzip nennt sich Caching und ist eine der wirksamsten Methoden zur Performance Optimierung.

Auf Anwendungsebene übernehmen Caching Plugins diese Aufgabe. Sie speichern Datenbankabfragen und fertig generierte Seiten, sodass bei wiederholten Aufrufen keine neue Abfrage nötig ist. Bei stark frequentierten Websites kann auch ein dedizierter Caching Server sinnvoll sein.

Datenbank Sicherheit

Die Datenbank enthält sensible Informationen und ist ein lohnendes Ziel für Angreifer. Einige grundlegende Sicherheitsmaßnahmen schützen Ihre Daten vor unbefugtem Zugriff.

Sichere Zugangsdaten

Verwenden Sie für jeden Datenbankbenutzer ein einzigartiges, starkes Passwort. Vermeiden Sie einfache oder vorhersehbare Kombinationen. Die Zugangsdaten sollten nirgendwo öffentlich sichtbar sein und nicht über unverschlüsselte Verbindungen übertragen werden.

SQL Injection verhindern

SQL Injection ist eine häufige Angriffsmethode, bei der Schadcode über Eingabefelder in Datenbankabfragen eingeschleust wird. Moderne Webanwendungen und Frameworks schützen dagegen durch vorbereitete Abfragen und Eingabevalidierung. Halten Sie Ihre Software stets aktuell, um bekannte Sicherheitslücken zu schließen.

Regelmäßige Backups

Ein regelmäßiges Backup Ihrer Datenbank ist unverzichtbar. Im Fall eines Angriffs, eines technischen Defekts oder eines eigenen Fehlers können Sie so Ihre Daten wiederherstellen. Speichern Sie Backups an einem separaten Ort, nicht auf demselben Server wie die Originaldaten.

Zugriff beschränken

Gewähren Sie Datenbankbenutzern nur die Rechte, die sie tatsächlich benötigen. Die meisten Webanwendungen brauchen keine Rechte zur Strukturänderung oder zum Löschen von Tabellen. Eine restriktive Rechtevergabe begrenzt den möglichen Schaden bei einem Sicherheitsvorfall.

Datenbank Import und Export

Der Export und Import von Datenbanken ist bei vielen Gelegenheiten nötig: beim Erstellen von Backups, beim Umzug zu einem anderen Hoster oder beim Einrichten einer Testumgebung.

Export mit phpMyAdmin

In phpMyAdmin wählen Sie die gewünschte Datenbank aus und klicken auf Exportieren. Für vollständige Backups empfiehlt sich das SQL Format mit allen Optionen. Das Ergebnis ist eine Textdatei mit allen Befehlen, die nötig sind, um die Datenbank exakt wiederherzustellen.

Bei großen Datenbanken kann der Export über den Browser scheitern. In solchen Fällen bieten viele Hoster einen Export über die Kommandozeile oder spezielle Backup Werkzeuge an.

Import von Datenbanken

Der Import erfolgt ebenfalls über phpMyAdmin. Wählen Sie die Zieldatenbank aus, klicken Sie auf Importieren und laden Sie die SQL Datei hoch. Bei großen Dateien kann es zu Zeitüberschreitungen kommen. Die maximale Upload Größe ist in den PHP Einstellungen festgelegt.

Vor dem Import in eine bestehende Datenbank sollten Sie sicherstellen, dass keine Konflikte entstehen. Am sichersten ist der Import in eine leere Datenbank oder nach vorherigem Löschen aller Tabellen.

Häufige Probleme und Lösungen

Bei der Arbeit mit Datenbanken können verschiedene Probleme auftreten. Hier sind die häufigsten Situationen und ihre Lösungen.

Verbindungsfehler

Wenn die Verbindung zur Datenbank fehlschlägt, prüfen Sie zunächst die Zugangsdaten in der Konfigurationsdatei Ihrer Anwendung. Servername, Benutzername, Passwort und Datenbankname müssen exakt stimmen. Auch Tippfehler bei der Groß- und Kleinschreibung führen zu Problemen.

Manchmal liegt das Problem beim Hoster. Ein überlasteter oder temporär nicht erreichbarer Datenbankserver führt ebenfalls zu Verbindungsfehlern. In diesem Fall hilft nur Geduld oder die Kontaktaufnahme mit dem Support.

Datenbank zu groß

Wenn die Datenbank das verfügbare Limit überschreitet, funktioniert die Website nicht mehr korrekt. Bereinigen Sie überflüssige Daten, optimieren Sie die Tabellen oder buchen Sie ein größeres Hosting Paket. Bei stark wachsenden Projekten sollten Sie die Datenbankgröße regelmäßig überwachen.

Beschädigte Tabellen

Bei einem Serverabsturz oder Stromausfall können Tabellen beschädigt werden. phpMyAdmin bietet eine Reparaturfunktion, die viele Schäden beheben kann. Bei schwerwiegenden Beschädigungen ist ein Backup zur Wiederherstellung erforderlich.

Langsame Abfragen

Wenn die Website langsam reagiert, kann eine ineffiziente Datenbankabfrage die Ursache sein. Prüfen Sie mit den Analyse Werkzeugen Ihres CMS oder in den Server Logs, welche Abfragen besonders lange dauern. Oft helfen zusätzliche Indizes oder das Aufräumen der Datenbank.

Datenbanken bei verschiedenen Hosting Arten

Je nach Hosting Typ unterscheidet sich der Umgang mit Datenbanken erheblich.

Shared Hosting

Beim Shared Hosting teilen sich viele Kunden einen Datenbankserver. Die Konfigurationsmöglichkeiten sind eingeschränkt, und die verfügbaren Ressourcen begrenzt. Für die meisten Websites reicht das völlig aus, aber bei sehr hohen Anforderungen stoßen Sie hier an Grenzen.

Virtueller Server

Mit einem virtuellen Server haben Sie mehr Kontrolle. Sie können eigene Datenbankserver installieren, die Konfiguration anpassen und Ressourcen nach Bedarf zuweisen. Dies erfordert allerdings technisches Wissen zur Administration.

Dedicated Server

Ein dedizierter Server bietet die volle Kontrolle und maximale Ressourcen. Der Datenbankserver läuft exklusiv für Sie, ohne Konkurrenz durch andere Kunden. Für hochfrequentierte Websites oder komplexe Anwendungen ist dies oft die beste Lösung.

Fazit: Datenbanken als Fundament moderner Websites

Datenbanken sind aus dem modernen Webhosting nicht wegzudenken. Sie ermöglichen dynamische Inhalte, Benutzerverwaltung und komplexe Funktionen, die mit statischen HTML Seiten nicht möglich wären. Das grundlegende Verständnis der Funktionsweise hilft Ihnen, Ihre Website besser zu pflegen und Probleme eigenständig zu lösen.

Achten Sie bei der Wahl Ihres Webhosters auf ausreichend Datenbanken und Speicherplatz. Für die meisten Projekte sind MySQL oder MariaDB die richtige Wahl. Mit regelmäßigen Backups und grundlegenden Sicherheitsmaßnahmen stellen Sie sicher, dass Ihre wertvollen Daten geschützt sind.

Weiterführende Informationen finden Sie in unseren Artikeln zu PHP, der Skriptsprache, die am häufigsten mit Datenbanken zusammenarbeitet, und zu Content Management Systemen, die ohne Datenbanken nicht funktionieren würden.