FTP und Dateiübertragung: So laden Sie Dateien auf Ihren Webserver
Um eine Website im Internet zu veröffentlichen, müssen die Dateien zunächst auf den Server des Webhosters übertragen werden. Das geschieht in den meisten Fällen über FTP, das File Transfer Protocol. In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie alles über die verschiedenen Übertragungsmethoden, die Einrichtung von FTP Programmen und wichtige Sicherheitsaspekte bei der Dateiübertragung.
Was ist FTP und wie funktioniert es?
FTP steht für File Transfer Protocol und ist ein Netzwerkprotokoll zur Übertragung von Dateien zwischen Computern. Es wurde bereits in den 1970er Jahren entwickelt und ist bis heute einer der meistgenutzten Standards für den Datenaustausch mit Webservern.
Das Prinzip ist einfach: Sie verbinden sich von Ihrem Computer mit dem FTP Server Ihres Hosters und können dann Dateien hochladen, herunterladen, umbenennen oder löschen. Die Verbindung funktioniert ähnlich wie der Zugriff auf ein Netzlaufwerk, nur dass sich der Speicherplatz nicht im lokalen Netzwerk, sondern auf einem entfernten Server befindet.
Für die Verbindung benötigen Sie die Zugangsdaten, die Sie von Ihrem Webhoster erhalten. Diese bestehen aus dem Servernamen, einem Benutzernamen und einem Passwort. Mit diesen Angaben können Sie sich über ein FTP Programm mit dem Server verbinden und auf Ihren Webspace zugreifen.
Die verschiedenen Übertragungsprotokolle
Neben dem klassischen FTP gibt es weiterentwickelte Varianten, die vor allem mehr Sicherheit bieten. Je nach Anbieter stehen unterschiedliche Protokolle zur Verfügung.
FTP: Das klassische Protokoll
Das ursprüngliche FTP überträgt alle Daten unverschlüsselt. Das bedeutet, dass Benutzername, Passwort und die übertragenen Dateien theoretisch von Dritten mitgelesen werden könnten. In öffentlichen Netzwerken oder bei sensiblen Daten ist das ein ernstes Sicherheitsrisiko.
Für einfache Websites ohne vertrauliche Informationen mag unverschlüsseltes FTP noch akzeptabel sein. Dennoch sollten Sie nach Möglichkeit immer eine der sicheren Varianten bevorzugen, die mittlerweile von den meisten Hostern angeboten werden.
FTPS: FTP mit SSL Verschlüsselung
FTPS erweitert das klassische FTP um eine SSL oder TLS Verschlüsselung. Die Verbindung wird damit abgesichert, und die übertragenen Daten sind vor dem Mitlesen geschützt. FTPS verwendet denselben Port wie FTP, nutzt aber zusätzlich eine Verschlüsselungsschicht.
Es gibt zwei Varianten von FTPS: Explizites FTPS startet zunächst eine unverschlüsselte Verbindung und wechselt dann zur Verschlüsselung. Implizites FTPS verwendet von Anfang an eine verschlüsselte Verbindung auf einem separaten Port. Die explizite Variante ist heute weiter verbreitet.
SFTP: SSH File Transfer Protocol
SFTP ist technisch gesehen kein FTP, sondern ein eigenständiges Protokoll, das auf SSH basiert. Die gesamte Kommunikation läuft über eine verschlüsselte SSH Verbindung, was es zu einer sehr sicheren Option macht. SFTP verwendet standardmäßig Port 22.
Ein Vorteil von SFTP ist die Authentifizierung über SSH Schlüssel, die noch sicherer ist als die Anmeldung mit Passwort. Allerdings bieten nicht alle Hosting Pakete SFTP Zugang an. Bei höherwertigen Tarifen und virtuellen Servern ist SFTP meist verfügbar.
Vergleich der Protokolle
| Eigenschaft | FTP | FTPS | SFTP |
|---|---|---|---|
| Verschlüsselung | Keine | SSL/TLS | SSH |
| Standardport | 21 | 21 oder 990 | 22 |
| Sicherheit | Gering | Hoch | Sehr hoch |
| Authentifizierung | Passwort | Passwort | Passwort oder Schlüssel |
| Verfügbarkeit | Überall | Häufig | Bei besseren Tarifen |
| Firewall Freundlichkeit | Problematisch | Problematisch | Gut |
FTP Programme: Die besten Tools für die Dateiübertragung
Um Dateien per FTP zu übertragen, benötigen Sie ein spezielles Programm, einen sogenannten FTP Client. Es gibt zahlreiche kostenlose und kostenpflichtige Optionen für alle Betriebssysteme.
FileZilla: Der Allrounder
FileZilla ist der wohl bekannteste FTP Client und für Windows, macOS und Linux verfügbar. Das Programm ist kostenlos, quelloffen und bietet alle Funktionen, die Sie für die tägliche Arbeit benötigen. Die Oberfläche zeigt links die lokalen Dateien und rechts die Dateien auf dem Server, was die Orientierung erleichtert.
FileZilla unterstützt FTP, FTPS und SFTP und ermöglicht das Speichern von Verbindungen im Servermanager. Die Übertragungsgeschwindigkeit ist hoch, und auch große Dateien werden zuverlässig übertragen. Für die meisten Anwender ist FileZilla die erste Wahl.
WinSCP: Spezialist für Windows
WinSCP ist ein weiterer beliebter Client für Windows. Das Programm unterstützt SFTP, SCP, FTP und FTPS. Besonders hervorzuheben ist die Integration in den Windows Explorer und die Möglichkeit, Skripte für automatisierte Übertragungen zu erstellen.
Die Oberfläche kann wahlweise als Zwei Fenster Ansicht oder als Explorer ähnliche Darstellung konfiguriert werden. WinSCP ist ebenfalls kostenlos und hat sich bei vielen professionellen Anwendern etabliert.
Cyberduck: Elegant für Mac
Cyberduck ist besonders bei Mac Nutzern beliebt, obwohl es auch für Windows verfügbar ist. Das Programm unterstützt neben FTP auch Cloud Speicherdienste und bietet eine aufgeräumte, intuitive Benutzeroberfläche.
Die Integration in das Betriebssystem ist gut gelungen, und die Lesezeichen Funktion ermöglicht den schnellen Zugriff auf häufig genutzte Server. Cyberduck ist kostenlos, bittet aber um eine freiwillige Spende.
Integrierte Lösungen
Viele Texteditoren und Entwicklungsumgebungen bieten integrierte FTP Funktionen. So können Sie Dateien direkt aus dem Editor heraus auf den Server übertragen, ohne ein separates Programm zu öffnen. Das spart Zeit bei der Entwicklung, auch wenn eigenständige FTP Clients meist mehr Funktionen bieten.
FTP Verbindung einrichten: Schritt für Schritt
Die Einrichtung einer FTP Verbindung ist mit den richtigen Zugangsdaten schnell erledigt. Am Beispiel von FileZilla zeigen wir die einzelnen Schritte.
Zugangsdaten beschaffen
Die FTP Zugangsdaten erhalten Sie von Ihrem Webhoster. Sie finden diese im Kundenbereich, oft unter Bezeichnungen wie FTP Zugang, FTP Konten oder Dateiverwaltung. Die benötigten Informationen sind:
- Server oder Host: Die Adresse des FTP Servers, zum Beispiel ftp.ihre-domain.de
- Benutzername: Ihr FTP Benutzername, oft identisch mit dem Kundenkonto
- Passwort: Das zugehörige Passwort
- Port: Meist 21 für FTP oder 22 für SFTP
Verbindung in FileZilla einrichten
Nach dem Start von FileZilla klicken Sie auf Datei und dann auf Servermanager. Dort erstellen Sie mit Neuer Server einen neuen Eintrag. Geben Sie die Zugangsdaten ein und wählen Sie das passende Protokoll. Unter Verschlüsselung sollten Sie TLS falls verfügbar oder Explizites FTP über TLS wählen.
Nach dem Speichern können Sie die Verbindung über den Servermanager oder die Schnellverbindungsleiste am oberen Rand herstellen. Bei der ersten Verbindung erscheint möglicherweise eine Warnung zum Serverzertifikat, die Sie bestätigen müssen.
Dateien übertragen
Nach erfolgreicher Verbindung sehen Sie links Ihre lokalen Dateien und rechts die Dateien auf dem Server. Um Dateien hochzuladen, navigieren Sie im linken Bereich zu den gewünschten Dateien und im rechten Bereich zum Zielordner. Dann ziehen Sie die Dateien einfach von links nach rechts oder nutzen das Kontextmenü.
Der Download funktioniert umgekehrt: Sie ziehen Dateien vom Server auf Ihren Computer. Der Fortschritt wird im unteren Bereich des Fensters angezeigt, wo Sie auch wartende und abgeschlossene Übertragungen sehen.
Die Verzeichnisstruktur auf dem Server
Nach der Verbindung mit dem FTP Server sehen Sie eine Verzeichnisstruktur, die sich von Hoster zu Hoster unterscheiden kann. Das Verständnis dieser Struktur ist wichtig, um Dateien an der richtigen Stelle abzulegen.
Das Webroot Verzeichnis
Das wichtigste Verzeichnis ist das sogenannte Webroot oder Documentroot. Dies ist der Ordner, dessen Inhalt über den Browser erreichbar ist. Er trägt oft Namen wie htdocs, public_html, www oder httpdocs. Alles, was Sie hier ablegen, ist unter Ihrer Domain abrufbar.
Wenn Sie beispielsweise eine Datei namens test.html in das Webroot Verzeichnis hochladen, können Sie diese unter www.ihre-domain.de/test.html aufrufen. Die Startseite Ihrer Website sollte index.html oder index.php heißen, da diese automatisch geladen wird, wenn nur die Domain aufgerufen wird.
Weitere Verzeichnisse
Neben dem Webroot existieren oft weitere Verzeichnisse für verschiedene Zwecke:
- logs: Enthält Zugriffs und Fehlerprotokolle
- tmp: Temporäre Dateien
- private: Dateien, die nicht öffentlich zugänglich sein sollen
- backup: Automatische Sicherungen des Hosters
Die genaue Struktur hängt von Ihrem Hoster und Paket ab. Im Zweifelsfall finden Sie in der Dokumentation oder beim Support Informationen zur Bedeutung der einzelnen Verzeichnisse.
Dateirechte und Berechtigungen
Auf Linux Servern, die im Webhosting Standard sind, hat jede Datei und jedes Verzeichnis bestimmte Zugriffsrechte. Diese legen fest, wer die Datei lesen, schreiben oder ausführen darf. Falsche Rechte können zu Sicherheitsproblemen oder Funktionsstörungen führen.
Das Rechtesystem verstehen
Die Rechte werden für drei Gruppen vergeben: den Besitzer der Datei, die Gruppe und alle anderen Benutzer. Für jede Gruppe gibt es drei mögliche Rechte: Lesen, Schreiben und Ausführen. Die Kombination wird oft als dreistellige Zahl dargestellt.
| Wert | Bedeutung | Typische Verwendung |
|---|---|---|
| 644 | Besitzer: lesen/schreiben, Andere: nur lesen | Normale Dateien |
| 755 | Besitzer: alle Rechte, Andere: lesen/ausführen | Verzeichnisse, Skripte |
| 600 | Nur Besitzer: lesen/schreiben | Sensible Konfigurationsdateien |
| 777 | Alle Rechte für alle | Vermeiden! Sicherheitsrisiko |
Rechte per FTP ändern
In den meisten FTP Programmen können Sie die Rechte über das Kontextmenü ändern. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die Datei und wählen Sie Dateiberechtigungen oder Eigenschaften. Dort können Sie die Rechte als Zahl eingeben oder die einzelnen Häkchen setzen.
Manchmal verlangt eine Webanwendung bei der Installation bestimmte Rechte für Verzeichnisse. Folgen Sie in diesem Fall den Anweisungen, setzen Sie die Rechte aber nach der Installation wieder auf sichere Werte zurück.
Häufige Probleme und Lösungen
Bei der Arbeit mit FTP können verschiedene Probleme auftreten. Die meisten lassen sich mit etwas Grundwissen schnell beheben.
Verbindung wird abgelehnt
Wenn die Verbindung nicht hergestellt werden kann, prüfen Sie zunächst die Zugangsdaten. Ein Tippfehler im Servernamen oder Passwort ist die häufigste Ursache. Achten Sie auf Groß- und Kleinschreibung.
Auch eine Firewall auf Ihrem Computer oder im Netzwerk kann FTP Verbindungen blockieren. Stellen Sie sicher, dass die nötigen Ports freigegeben sind. Bei SFTP ist nur Port 22 erforderlich, während FTP und FTPS komplexere Portfreigaben benötigen.
Übertragung bricht ab
Bei instabilen Internetverbindungen können Übertragungen abbrechen. Gute FTP Programme wie FileZilla können abgebrochene Übertragungen fortsetzen, anstatt von vorne zu beginnen. Aktivieren Sie diese Option in den Einstellungen.
Auch Timeouts können zu Abbrüchen führen. Wenn die Verbindung bei längeren Übertragungen getrennt wird, erhöhen Sie den Timeout Wert in den Programmeinstellungen.
Dateien werden falsch dargestellt
Bei der Übertragung von Textdateien zwischen Windows und Linux können Probleme mit den Zeilenumbrüchen auftreten. Windows verwendet andere Zeichen für den Zeilenumbruch als Linux. Viele FTP Programme bieten die Option, dies automatisch zu konvertieren.
Auch die Zeichenkodierung kann Probleme verursachen. Verwenden Sie UTF-8 als Standard und achten Sie darauf, dass Ihr Editor und der Server dieselbe Kodierung verwenden.
Berechtigungsfehler
Wenn Sie Dateien nicht überschreiben oder löschen können, fehlen möglicherweise die nötigen Rechte. Prüfen Sie die Dateirechte und kontaktieren Sie gegebenenfalls den Support Ihres Hosters.
Alternativen zum klassischen FTP
Neben FTP gibt es weitere Möglichkeiten, Dateien auf den Server zu übertragen. Je nach Situation können diese Alternativen praktischer sein.
Webbasierte Dateimanager
Viele Webhoster bieten einen Dateimanager im Kundenbereich an. Damit können Sie Dateien direkt im Browser hochladen, bearbeiten und verwalten, ohne ein zusätzliches Programm zu installieren. Für kleinere Änderungen oder den schnellen Upload einzelner Dateien ist das praktisch.
Die Geschwindigkeit ist jedoch meist geringer als bei echtem FTP, und bei großen Dateien kann es zu Problemen kommen. Für umfangreiche Uploads bleibt FTP die bessere Wahl.
Git für Versionskontrolle
Entwickler nutzen häufig Git zur Versionskontrolle ihres Codes. Dabei werden Änderungen in einem Repository gespeichert und können auf den Server übertragen werden. Der Vorteil: Sie haben eine vollständige Historie aller Änderungen und können jederzeit zu einem früheren Stand zurückkehren.
Für professionelle Webentwicklung ist Git dem klassischen FTP vorzuziehen. Die Einrichtung erfordert allerdings mehr technisches Wissen und ist nicht bei jedem Hosting Paket möglich.
Deployment Systeme
Automatisierte Deployment Systeme übertragen Dateien bei bestimmten Ereignissen automatisch auf den Server. Zum Beispiel kann bei jedem Commit in ein Git Repository der aktuelle Stand automatisch veröffentlicht werden. Das reduziert manuelle Arbeit und minimiert Fehler.
Sicherheitstipps für die Dateiübertragung
Die Sicherheit beim Umgang mit FTP sollte nicht unterschätzt werden. Mit einigen grundlegenden Maßnahmen schützen Sie Ihre Zugangsdaten und Dateien.
Verschlüsselung nutzen
Verwenden Sie nach Möglichkeit immer FTPS oder SFTP anstelle von unverschlüsseltem FTP. So verhindern Sie, dass Ihre Zugangsdaten im Netzwerk mitgelesen werden können. Die Einrichtung ist kaum aufwendiger, der Sicherheitsgewinn jedoch erheblich.
Sichere Passwörter verwenden
Wählen Sie für Ihren FTP Zugang ein starkes, einzigartiges Passwort. Es sollte mindestens 12 Zeichen lang sein und Buchstaben, Zahlen sowie Sonderzeichen enthalten. Speichern Sie das Passwort in einem Passwort Manager und nicht unverschlüsselt auf Ihrem Computer.
Zugangsdaten nicht speichern
Viele FTP Programme bieten an, Passwörter zu speichern. Das ist bequem, aber ein Sicherheitsrisiko. Wer Zugriff auf Ihren Computer erhält, kann dann auch auf Ihre Server zugreifen. Wägen Sie Komfort und Sicherheit sorgfältig ab.
Öffentliche Netzwerke meiden
Vermeiden Sie FTP Verbindungen in öffentlichen WLANs, etwa in Cafés oder an Flughäfen. Selbst mit Verschlüsselung ist das Risiko höher. Wenn Sie unterwegs arbeiten müssen, nutzen Sie ein VPN für eine zusätzliche Schutzschicht.
Fazit: FTP bleibt ein wichtiges Werkzeug
Trotz modernerer Alternativen ist FTP nach wie vor die Standardmethode, um Dateien auf den Webspace zu übertragen. Mit den richtigen Werkzeugen und etwas Grundwissen meistern Sie die Dateiübertragung problemlos.
Achten Sie auf Sicherheit, indem Sie verschlüsselte Verbindungen bevorzugen und starke Passwörter verwenden. Für größere Projekte lohnt sich der Blick auf Versionskontrolle und automatisierte Deployments, die den Workflow erheblich verbessern können.
Weiterführende Informationen finden Sie in unseren Artikeln zur Server Sicherheit und zum Website Umzug, bei dem FTP eine zentrale Rolle spielt. Mit diesem Wissen sind Sie bestens gerüstet für die Arbeit mit Ihrem Webspace.
